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Kirche und Kirchturm von Hamroth
Im Jahre 1925 bekamen die Hamrother zu ihrem alternden, vor allem
in der Sehkraft geschwächten Pfarer Einholz in Franz Tillinger
aus Fienen einen besonders agilen Kaplan.
Was die Gemeinde schon fast seit 100 Jahren hinnahm, wollte er nicht
mehr dulden: Dass nämlich die Kirche keinen Turm hatte. Als
Graf Ladislaus Karolyi 1808 der Gemeinde zu einer Kirche verhalf
, wurde anscheinend dafür nicht ganz glücklich gewählt.
Warum man mehr an den Abhang als auf den Hügel baute, kam wohl
davon her, dass man das rumänische Holzkirchlein dort noch
stehen lassen wollte. Durch diese Wahl des neuen Kirchenplatzes
lud man sich aber bis zum heutigen Tag nicht wenig Sorgen auf. Auch
beim Bauen selber hat man sich scheinbar die Sache so leichter und
billiger machen wollen, dass man den Turm nicht vom Fundament aus,
sondern als eine Art Dachreiter, vielleicht von der Empore aus,
aufbaute. Nun war aber die Unterspülung durch das den Hang
herabstürzende Regenwasser eine ständige Gefahr für
das Kirchengebäude. Schon 1816 stellte man fest, dass der Turm
nach einer großen Regenzeit wankte. So dass man die Glocken
herunternehmen und vor der Kirche in einem hölzernen Glockenstuhl
aufhängen musste. Durch große Regengüsse wurde das
Mauerwerk immer weiter beschädigt, und schon nach 8 Jahren
war eine große Instandsetzung notwendig geworden.
Der Turm selbst wurde entweder 1831 abgebrochen oder 1834 durch
ein Erdbeben zerstört. So waren es 1925 also fast 100 Jahre
her, seitdem die Hamrother Kirche keinen Turm mehr hatte. Franz
Tillinger schaffte es innerhalb eines Jahres, dass der rieige Dachstuhl
und die ganze Stirnseite der Kirche abgerissen und aus der Erde
heraus, zusammen mit einem Turm neu aufgebaut wurde. Dies hat freilich
etwa eine halbe Million Lei gekostet, die nicht leicht aufzubingen
waren. Ein überaus große Hilfe wurde der Gemeinde jetzt
von den nach Amerika ausgewanderten Hamrothern zuteil. Dabei kam
Kapln Tillinger sehr zustatten, dass der Wechselkurs zwischen Lei
und Dollar sehr günstig lag.
Die Hamrother Kirche hatte nun wieder einen Turm. Natürlich
bespöttelten die Nachbargemeinden bisher die Hamrotherihrer
turmlosen Kirche wegen. Im Zusammenhang mit der Turmgeschichte verpflanzte
sich sogar eine Erzählung aus der schwäbischen Uhrheimat
bis nach Hamroth.
Kirchlein Hamroth-Ertingen
In der württembergischen Gemeinde Ertingen bei Riedlingen wird
nämlich erzählt, dass man den Gemeindestier auf den Kirchturm
bringen wollte, damit er das dort gewachsene Gras abweide. Als man
mit ihm schon nahe am Gras war, habe der Stier die Zunge herausgestreckt.
Nun meinte einer der Ertinger: „Lueget nu, er greift scho
nach em Gras!“ Der Stier hachte aber gerade sein Leben aus,
denn man hatte es übersehen, das beim Hinaufziehen das Seil
ihn erwürgte. So erzählte man nun auch über Hamrother,
dass auf dem Turm Gras gewachsen sei. Um dies zu nutzen wurde der
„Gmuids-Hage“ hinaufgezugen, und dabei sei der Turm
zusammengestürzt.
Doch es war nicht so, daß der Bau eines Turmes aus Nachlässigkeit
ausgeblieben wäre. Eine Ursache war die Angst vor einem neuen
Erdbeben. Aber auch die Hanglage und der gefährdete Grund ließen
die Besorgnis nicht verstummen, dass man da überhaupt keinen
standfesten Turm bauen Könne. Denn es gab bei der Kirche ständig
Schäden. Aufgezeichnet ist, das 1882 rechts neben der Kirche
mit Steinen aus dem nahen „Bika“ aufgefüllt wurde.
1887 bekam die Kirche an der rechten hinteren Ecke einen mächtigen
Riss. Es zeugt von besonders großen Schäden an der Kirche,
wenn sie vom Mahler Wurzer aus Karol neu ausgemalt werden musste.
Das gleiche geschah aber bereits schon 9 Jahre danach wieder. 1898
wurde die Kirche vom neuen Pfarrer Josef Einholz auch wieder renoviert.
Dass Pfarrer Einholz auch an den Bau eines Turmes dachte, ist durch
eine Anekdote belegt, die das besagt, der Turm sei in den Brunnen
gefallen. Af dem ziemlich hohen Hügel nämlich, wo die
Kirche -und das Pfarrhaus noch einige Meter höher- steht, war
das Wasserproblem keine geringe Sorge. Darum hatte man sich 1904
nun dazu entschlossen, im Pfarrhof einen Brunnen zu graben. Das
wr ein riesiges Unternehmen, denn man musste ein 33 Meter tiefes
Loch mit ca.2 m Durchmesser ausgraben und mit Natursteinen ausbauen.
Das kostete allerhand Geld, so dass die Kirchenkasse eine Tages
leer war. Das vermutlich für einen Turm angesammelte Geld ging
restlos drauf. Darum sagte man: „Der Turm ist in den Brunnen
gefallen“.
In der regnerischen Zeit des Jahres 1912 bekam die Kirche wieder
einen großen Riß. Solche Vorfälle begründeten
ständig von neuem die Angst, welche die Hamrother von einem
Turmbau hatten. Erst ein enerischer Geistlicher wie Tillinger es
war, konnte alle Bedenken mit Erfolg zerstreuen. Am 14 September
1925, am Hamrother Kirchweihfest also, war die Einweihung der zum
Teil von Grund auf erneuerten Kirche mit einem ganz neuen Turm.
Zum Hochstehenden Kirchengebäude geriet der Turm fast noch
zu klein. Aber man musste sich wohl auch der beschränkten Geldmittel
wegen einschränken. Der erste Turm wird noch kleiner gewesen
sein, so dass nun Hamroth durch den Kirchturm jetzt zum ersten mal
so hoch zum Himmel ragte wie nie zuvor. Die Glocken kamen natürlich
auch gleich auf den Turm, von wo auch sie heller und eindringlicher
ihre Freuden- und Trauerklänge auf das Dorf herabsandtten.
Aus: „Unsere Heimat“ von Stefan Brendli
Erschienen im Sathmarer Heimatbrief Ausgabe März 2008 Seite
24
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