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Hamroth,
Homorodul de jos, Alsohomorod
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| Evakuierung
der Schwaben |
Über
die Evakuierung der schwäbischen Einwohner berichtet Stefan Brendli,
der letzte Pfarrherr der Gesamtkirchengemeinde.
„Am 9. Oktober kam die Anordnung, dass Scheindorf am andern
Tag, zusammen mit der
Nachbargemeinde Hamroth, evakuiert werden soll. Die Leute waren auf
den Feldern, in den
Weingärten und im nahen Wald, als kurz vor Mittag weinende Frauen
und Mädchen aus dem Dorf in alle Richtungen liefen, um die Nachricht
allen mitzuteilen. Ich kam gerade mit dem Kirchenvater auf dessen
Fuhrwerk aus dem Wald, als sich uns vor dem Dorfe dieses Bild bot.
Im Dorf sah es aus, wie bei einem aufgewühlten Ameisenhaufen.
Wir konnten ja schon lange mit diesem Schlag rechnen, aber jetzt,
da es Wirklichkeit werden sollte, war alles fassungslos und aufs äußerste
bestürzt. Überall auf der langen Dorfgasse waren heftige
Debatten, ein Hin und Her von Überlegen und Raten. Man konnte
sich dem Schicksal, nicht gleich ohne Widerrede beugen.
In der Nacht auf den 10. Oktober schloss niemand in der Gemeinde seine
Augen zum Schlaf. Nach Mitternacht kamen noch Leute in die Kirche
zum Beichten. In der Morgenmesse um sieben Uhr war Weinen und Schluchzen
das Gebet der Gläubigen: Im Schlussgebet verabschiedete ich die
Leute von Haus und Hof, von Kirche und Schule, von Acker und Weingarten,
von Wiese und Wald. Danach spielte Lehrer Martin Gyetko noch lange
die Orgel, es sollte ja das letzte Mal sein. Unter Tränen drückte
er mir nachher die Hand. Der gute alte Mesner ließ einen schmerzlichen
Seufzer mit den Worten: „Des ischt doch a schwere Sach.“
Auch ihm rollten die Tränen über die Wangen. Um 11 Uhr herum
drängten beauftragte Soldaten zum Aufbruch. Aber niemand wollte
aus dem Hof fahren, wenn auch die Ochsen-, Kuh- und Pferdegespanne
zur Abfahrt bereit vor dem Hause standen. Zuletzt mussten die Soldaten
drohen. Endlich fuhr der erste Wagen heraus, und die anderen kamen
zögernd und noch immer überlegend nach. Man redete ihnen
zu, in zwei Wochen wären sie wieder daheim und dann würde
alles schöner werden. Solche Dinge glaubte aber niemand mehr.
Bei der Kirche machten sie noch ein Kreuzzeichen und hoben ihren Hut.
Manche eilten noch schnell in die Kirche, einige holten sich dabei
auch Weihwasser. Allmählich leerte sich das Dorf, zuletzt fuhr
ein Pferdewagen mit Kirchensachen und der hl. Mutter-Anna-Statue aus
dem Hof. Nun ertönten auch die Glocken vom Turm. Sie verkündeten
der Welt das Unglück dieses schwäbischen Dorfes inmitten
anderer Nationen. Sie klagten und weinten zusammen mit dem Volk. Dann
fing es auch an, sanft zu regnen. Auch der Himmel weinte. Eine Stunde
lang läutete man die Glocken. Inzwischen sah ich mit zwei Soldaten
dem Zuge vom Turm aus nach. Die zwei Soldaten konnten die Tränen
auch nicht zurückhalten. Die Wagenkolonne entfernte sich immer
mehr vom Dorf. Aber es schien, als wenn sie immer wieder stehen blieben
und sich umdrehten. Als wenn sie wieder und wieder zum letztenmal
ihr Haus, ihre Äcker anschauen wollten. Wer weiß, ob sie
sie nochmals sehen werden!
Ich blieb noch im Dorf zurück. Am anderen Tag verließen
auch die letzten Soldaten das Dorf. Die
lange Gasse war wie ausgestorben. Paar Stunden vorher noch das größte
Gewimmel In jedem Haus und Hof, und nun plötzlich diese Totenstille.
Es verwirrte einem die Sinne, es wirkte unheimlich, wie wenn ein kerngesunder
Mensch plötzlich stirbt. Nach zwei Tagen fuhr ich ihnen nach
und fand sie westlich von Großkarol. Allmählich fanden
sie sich in ihrem Flüchtlingslos zurecht. Sicher trug auch das
dazu bei, dass es ein herrlich-sonniger Herbsttag war.
Ich wandte mich dann noch einmal der Heimat zu. Es war gewagt, aber
ich erreichte Scheindorf. Nun war auch kein Tier mehr im Dorf. Die
Soldaten holten sich den Rest, indem sie alles Lebende niederschossen.
Am Rande des Dorfes und im neuen rumänischen Teil blieben einige
national gemischte Ehen zurück. Das Plündern der schwäbischen
Bauernhäuser ging im Stillen vor sich. Auch im Pfarrhaus war
die Türe schon eingebrochen. Am anderen Tag konnte ich nurmehr
mit Mühe auf Militärfahrzeugen nach Sathmar gelangen. Inzwischen
bewegte sich der Wagentreck der Gemeinde langsam nach Westen voran.
Sie hatten ja hauptsächlich Ochsen- und Kuhgespanne, und die
Pferde mussten sich auch diesem Tempo anpassen. Ober Sathmar, Großkarol,
Nyrbàtor, Nagykàllò, Nyiregyhàza, Polgàr,
Poroszlò, Heves, Jàszberèny, Ràkoskeresztùr,
Budapest kamen sie am 28. Oktober in Budaörs an. Den etwa 400
km langen. Weg legten sie in 18 Tagen zurück. Hier konnten sie
endlich erleichtert aufatmen. Bisher mussten sie Immer Angst haben,
dass die Front sie erreicht. Bei Poroszlò tobte in 4 km Entfernung
eine Schlacht, als sie da gerade durchfuhren. In Budaörs, wo
sie auch mit Landsleuten aus anderen Dörfern zusammentrafen,
verbreitete sich die Nachricht, dass es über die Grenze nach
Deutschland geht. Die Russen kamen nämlich unaufhaltsam näher.
Zuerst dachte man noch, in Westungarn bleiben zu können. Wer
wollte, konnte sich auf den Zug verladen lassen. Das taten viele,
die Ochsen und Kühe eingespannt hatten. Das Gespann übernahm
das Militär. Zum Trost übergab man ihnen eine Bestätigung
davon. Die hier auf dem Zug saßen, kamen nach Thüringen.
Das Volk nahm von zu Hause so viel mit, wie es eben auf einen oder
zwei Leiterwagen aufladen
konnte. Manche schlachteten über Nacht noch ein Mastschwein.
Besonders brachte man die Kleider und das Bettzeug auch mit. Sodann
Küchengeräte, Werkzeuge, einige sogar die Nähmaschine
u. a. m. Vor allem aber die nötigen Nahrungsmittel. Darin hatten
auch keine Not, besonders auch, weil von Budaörs an vom Militär
für die Flüchtlinge gut gesorgt wurde. Immer wieder kamen
sie zu einer Feldküche, die sie mit warmer Speise versah und
Haltbares auf die Weiterreise mitgab. Bis zur Grenze führte der
Weg der Wagenkolonne über Bia, Bicske, Kisbèr, Veszprèmvarsàny,
Tèt, Ràbacsànàk, Csapòd, Nagyczenk,
Kophàza und Ödenburg. In Kòphàza mussten
alle Wagen mit Rind abgegeben werden. Nur die Pferdewagen durften
über die Grenze. Auch wechselten hier die Leute ihre ungarischen
Pengö In deutsche Mark. Es ging nun nach Österreich. 287
Stück Rindvieh rückten mit den Leuten aus dem Dorf. Vor
der Grenze gaben sie auch das letzte Stück davon aus der Hand.
Die 136 Pferde behielten sie alle bis zum Endziel, das nach einer
Zwischenstation in Enns bei Linz, Altmünster und Traunsee im
Salzkammergut war. Von Budaörs bis Ödenburg mit etwa 250
km brauchten sie 13 Tage. Die 300 km bis Altmünster legten sie
in weiteren 13 Tagen zurück. Die Pferdewagen kamen am 26. November
in Altmünster an. Nun war man froh, nach anderthalb Monaten endlich
richtig ausspannen zu können.
Am 10. Oktober verließen 692 Personen die Heimatgemeinde. Unterwegs
starben 5 Personen, 2
wurden vermist. 214 Menschen kamen nach Thüringen und von dort
nach dem Zusammenbruch
wieder nach Scheindorf. In Altmünster trafen 471 Personen ein,
wozu noch die unterwegs geborenen 7 Kinder zu zählen sind.“
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